Die Lemberger Zitadelle

Das Forschungsprojekt „Lemberger Zitadelle“ setzt sich zum Ziel, eine besondere Lücke in der Lemberg-Forschung zu schließen. Zum einen geht es beim Projekt um die Baugeschichte. Dabei ist zu konstatieren, dass der Bauherr der Lemberger Zitadelle zweifelsfrei auf Erfahrungen mit der österreichischen, preußischen und französischen Militärarchitektur zurückgreifen konnte, wie sich anhand der Baugestaltung und einiger architektonischer Details nachweisen lässt. Zum anderen ist die Geschichte der Zitadelle außerordentlich wehcselhaft und vielfältig: Sie reicht von den Umständen der Errichtung und des Betriebs in der österreichischen Herrschaftsepoche über die Belagerungen der Stadt im November 1918 bis zur tragischen Verwendung als Gefangenenlager im Zweiten Weltkrieg. Dieser weite Bogen von Zeiten und Ereignissen wird zu spannen sein, wenn es gilt, das Gebiet der Zitadelle im Internetprojekt des Zentrums „Lviv Interaktiv“ (LIA) darzustellen. Es wird darum gehen, den Funktionswandel der Zitadelle im städtischen Raum und im Leben seiner Bürger plastisch zu machen: Garant von Sicherheit und Frieden, Herberge fürs Militär, Stätte von Sport und Unterhaltung, Lager für politische Gefangene, schließlich Ort einer sowjetischen Militäreinheit – all das konnte die Zitadelle sein.

Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, das allgemeine Interesse auf die Erhaltung von Monumenten der Militärgeschichte des 19. Jahrhunderts in der ehemaligen Hauptstadt Galiziens zu lenken. Die Erforschung und Bekanntmachung der Geschichte der Zitadelle auf der Webseite des Zentrums soll die Grundlage für öffentliche Diskussionen mit Beteiligung von Wissenschaftlern und NGO’s schaffen. Es soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass derartige militärgeschichtlich bedeutsame Orte erhalten und einer ihnen angemessenen Nutzung zugeführt werden.

Quellen: Spezialliteratur, Bestandsaufnahme vor Ort, Analyse kartografischen Materials aus diversen Archiven, zeitgenössische Bildquellen, Videomaterial, Interviews.


Autor: Taras Pinyazhko ist Student im fünften Jahr am Lehrstuhl für Restauration und Rekonstruktion an der Architekturabteilung des Polytechnikums in Lemberg. Zum Thema verfasste er bereits einen Beitrag über die architektonischen Eigenheiten des Maximilian-Turms in der Lemberger Zitadelle (gemeinsam mit J. Dubyk und O. Rybtschynskyj). Er nahm auch Teil an Projekten zur Erforschung und Erhaltung des Park-Komplexes der Burg Pidgorecki sowie an solchen zur Bewahrung von architektonischen Denkmälern des Jeleniogora Tals in Südwestpolen.