Filmabende
Bereits seit Anfang des Jahres 2008 finden im Zentrum monatlich Filmabende statt. In einem im Herbst beginnenden neuen Zyklus werden wir uns ganz dem Thema „Stadt und Film“ widmen. Es wird um die Darstellung von „Urbanität“ im Kino gehen, um die Bildwelten realer oder imaginierter Städte, oder auch um das Verhältnis zwischen der Kunstform Film und der Stadt an sich. „KinoMisto“, so der ukrainische Name der Veranstaltung, spannt stets einen weiten Bogen über die Kontinente, Perioden und Genres.
Utopie und Dystopie
Städte erscheinen im Film bekanntlich oftmals als Ausdrucksformen des modernen Lebens, werden aber auch gerne als Kulisse für ein historisches Ambiente verwendet. Man findet utopische Darstellungen ebenso wie dystopische Visionen. In „KinoMisto“ darf daher Fritz Langs Klassiker Metropolis (1927) ebenso wenig fehlen wie die beiden von George Orwells Roman 1984 inspirierten Filme Brazil (Regie: Terry Gilliam, 1985) und 1984 (Michael Redford, 1984) oder auch Sin City von Frank Miller und Robert Rodriguez (2005). Nicht zu vergessen ist die sowjetische Dystopie, so etwa Karen Schachnazarows Gorod Zero (Stadt Zero, 1988)
Realismus
Auch der Realismus in seinen verschiedenen Varianten sollte zum Zuge kommen. Wie unterschiedlich wir einer Stadt im Film begegnen können, zeigt der Fall Marseille, wenn man etwa Robert Guédiguians sozialkritische Arbeit La ville est tranquille (Die Stadt frisst ihre Kinder, 2000) Jacques Derays Gangsterfilm Borsalino (1970) gegenüberstellt. Marcel Carné, einem der Großmeister des französischen poetischen Realismus, verdanken wir dagegen eine eindrucksvolle Darstellung von Le Havre (Quai des Brumes = Hafen im Nebel, 1938). Zum neuesten Stil des Sozialrealismus gehört wiederum Fernando Meirelles Cidade de Deus (Stadt Gottes, 2002), der die Slums von Rio thematisiert, während eine kleine Stadt im Grenzbereich zwischen Argentinien und Paraguay John Mackenzies Film The Honorary Consul (Der Honorarkonsul, 1982) als Setting dient.
Ostmitteleuropa
In den Filmabenden des Zentrums werden selbstverständlich gerade die Städte Ostmitteleuropas nicht fehlen, denen in letzter Zeit im internationalen Kino erhöhte Aufmerksamkeit zuteil wird. Genannt seien auszugsweise die folgenden Werke: Budapest in Nimród Antals Kontrol (2003), Prag in Jan Hrebejks Horem pádem (Hals über Kopf, 2004), Warschau in Dariusz Gajewskis Warszawa (2003), Sarajevo in Michael Winterbottoms Welcome to Sarajevo (1997), Odessa in Michale Boganims Odessa … Odessa! (2005).
Metropolen
Wenn es um Städte geht, nehmen die Metropolen stets eine eigene Stellung ein. Wien mag keine Metropole im heutigen globalen Sinne sein, aber in der Filmgeschichte verdient Carol Reed’s Der Dritte Mann (1949) sicherlich ein entsprechendes Superlativ. Fast zwanzig Jahre älter ist der für das Bild von Paris prägende Film von René Clair, Sous les Toits de Paris (Unter den Dächern von Paris, 1930). Zu den erfolgreichsten französischen Filmkomödien mit Paris-Setting gehört Gérard Oury’s La Grande vadrouille (Die Große Sause, 1966). Das Berlin der Zwischenkriegszeit ist vertreten in Edmund Gouldings Grand Hotel (1932) und Walter Ruttmanns frühem Dokumentarfilm Berlin, Die Symphonie der Großstadt (1927), Tokyo bleibt unvergesslich in Akira Kurosawas Nora Inu (Ein streunender Hund, 1949), New York in William Friedkins The French Connection (1971) und Woody Allens Manhattan (1979), Los Angeles in Roman Polanskis Chinatown (1974), Joel Coens Barton Fink (1991) sowie in Ridley Scott’s Blade Runner (1982), Moskau in Georgi Danelias Ja schagaju po Moskwe (Ich gehe durch Moskau, 1963) und Karen Schachnazarows Wsadnik po imeni smert (Der Reiter namens Tod, 2004).
